Meine Wette mit dem Bild-Reporter

Es gibt viele Gründe, warum ich die BILD-Zeitung nicht mag. Ein weiterer wurde mir heute von einem angeblichen Mitarbeiter dieser „Zeitung“ geliefert (wenngleich ja nicht vom Angestellten auf das Unternehmen geschlossen werden sollte…).

Ich arbeite seit geraumer Zeit nebenher bei einer GmbH in München, welche sich mit Parken befasst. Netter Verein, sehr gute Bezahlung und eine schöne Möglichkeit, interessante Menschen kennen zu lernen. Eine Aufgabe besteht unter anderem darin, beim Parkplatz für eine Sportveranstaltung die Parktickets der einfahrenden Besucher zu kontrollieren (Tages- und Saison-Karten) und – sofern keine vorhanden – 5 Euro zu kassieren.

So auch bei dem ankommenden Fahrzeug. Dieser hatte zwar ein Saison-Parkticket, aber leider nur vom letzten Jahr. Andere würden gleich von versuchtem Betrug sprechen, ich glaube aber fest daran, dass von einem gültigen Parkschein ausgegangen wurde. Ich wies die Fahrzeuginsassen daraufhin und stellte die Option frei, entweder 5 Euro zu bezahlen und zu parken oder den Parkplatz wieder zu verlassen. Sie entschieden sich für Variante drei: im Weg stehen zu bleiben. Der Beifahrer tigerte sogleich zur paar Minuten entfernte Sportstätte, um die aktuell gültige Karte zu holen. Halt alles ein bisschen schwierig, wenn derweil das Auto im Weg steht und ständig neue Autos zum Parken einfahren.

Nach gerade mal einer viertel Stunde war er dann auch gleich wieder da und präsentierte mir die neue Jahreskarte. Eigentlich alles einwandfrei und Thema gegessen. Nicht so für den Beifahrer. Dieser kam nach dem Parken noch einmal zu mir und wollte sich mit mir weiter unterhalten. Leider war ich aber noch beschäftigt, die in einer schönen gleichmäßigen Kolonne alle paar Sekunden vorfahrenden Autos zu kontrollieren, einzuweisen und gegebenenfalls fünf Euro zu verlangen – und hatte daher unglücklicherweise keine Zeit für einen kleinen Plausch am Abend.

Dies missfiel leider dem werten Herren jedoch heftig und zeigte dies deutlich durch Formulierungen wie „Hallo, ich rede mit Ihnen“. Auch mein Hinweis, dass ich jetzt arbeiten müsse und einfach keine Zeit für ein intensives Gespräch habe, konnte ihn nicht milde stimmen. Im Gegenteil: der Parkausweis-Profi wurde pampig, wollte (wieder mal) meinen Namen. Da dieser ja kein Geheimnis ist, sondern vorne auf meinen Ausweis steht und recht lange ist, habe ich ihm einen Stift zum Schreiben angeboten. Nicht, dass er ihn zum zweiten Mal vergessen würde – denn dann bin ich ja nicht mehr da zum Nachfragen. Aber wie das mit der modernen Welt halt so ist, zückte er sein Smartphone und fotografierte gleich meinen gesamten Ausweis samt Bild und vollen Namen.

Eine gute Ausgangsbasis für die Wette. Denn zu der kam es jetzt (wichtig: (kein 100% exakter Wortlaut – Gedächtnisprotokoll): Nach dem Fotografieren des Ausweises schallte mir ein unfreundliches „Ja dann werden wir mal sehen. Sie werden hier noch einmal arbeiten und dann war es das!“ entgegen. Auf ein „Das glaube ich nicht“ meinerseits entgegnete mir: „Wollen wir wetten?“ Da ich meinen Arbeitgeber und solche Situationen ja sehr gut kenne, erwiderte ich mit einem erfreuten „Ja gerne!“

Der Wetteinsatz steht leider noch nicht fest, da er früh gehen musste und nicht die Zeit hatte, auf mich zu warten.

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