Artikel

Würzburg

hofkeller-teaser

Die Bahn hatte vor einiger Zeit eine nette Idee (zumindest für alle bis 26 Jahre) und bot in Kooperation mit mydays vier Fahrten für 99 Euro an. Warum die Altersbegrenzung und vor allem warum auf 26 weiß wohl nur die DB selber – aber sei es drum.

Die ersten zwei Fahrten gingen für Hamburg drauf, die letzten beiden hätten wir vor Ablauf der Gültigkeit fast nicht mehr hinbekommen. So lief es auf einen doch eher spontanen Trip nach Würzburg raus, die Stadt des Weines. Mehr zufällig als geplant war an dem Sonntag auch noch die ganze Stadt unterwegs, denn das internationale Straßenmusikfestival wurde ausgetragen.

Würzburger Weinkeller

Interessanter war aber fast der Staatliche Hofkeller Würzburg, welcher unter der Residenz liegt. Für sieben Euro gab es eine sehr angenehme Führung zwischen den Fässern durch inklusive einer kleinen Verkostung.

Laut der Führung ist so ziemlich halb Würzburg unterkellert, schließlich muss der ganze Weißwein ja irgendwo gelagert werden. Die Herstellung läuft auch nicht mehr in den schönen alten Holzfässern, sondern in Edelstahltanks. Klingt mehr industriell als traditionell, doch so sind stabilere Prozesse möglich und der Wein ist heutzutage besser als in den alten Zeiten.

Die alten Holzfässer sind natürlich trotzdem noch da, dienen aber nur der kurzzeitigen Lagerung oder sind komplett leer. Für eine atmosphärische Stimmung sorgen sie aber allemal.

 

  • Kommentare deaktiviert für Würzburg
  • Veröffentlicht in: Urlaub
Artikel

Teekultur und Wohlfühlstadt

Fünf Tage Istanbul – fünf Tage reinschnuppern in eine andere Kultur, wovon nur ein Bruchteil in Deutschland ankommt.

Abendsonne auf Fatih

Die Twitter-Zensur

Die Türkei war gerade wieder in den deutschen Schlagzeilen, als wir gemütlich beim Frühstücken in dem kleinen Hotel nähe der Blauen Moschee saßen: „Schon gehört? Twitter wurde gesperrt.“ Erdoğan hat es durchgezogen. Laut deutschen Medienberichten ließ er die Sperre veranlassen, um die Weiterverbreitung illegal mitgeschnittener Telefonate zu stoppen – dass so eine Problemlösung immer hervorragend funktioniert, ist schließlich allgemein bekannt. Richtig klasse fand ich die Reaktion der türkischen Twitternutzer: mal eben die Anleitung zur Umgehung der Sperre an eine Hauswand gesprayed oder auf den Geldschein geschrieben.

Twitter am 21.03.2014 in der Türkei - Screenshot: Ulrich Stöckle

Es gibt angeblich die kleine Grundregel, mit Türken nie über ihre Politik zu sprechen. Am Samstagabend haben wir das mal dezent gebrochen und uns mit dem Besitzer einer Bar über die Twitter-Zensur unterhalten: er ist Anfang 30, aus dem Osten des Landes nach Istanbul gezogen, hat seinen kleinen Bruder (14) nachgeholt, weg von der restlichen Familie. Inzwischen mit einer Engländerin verheiratet und seit fünf Wochen stolzer Vater einer Tochter. Er findet die Zensur nicht schlimm; über die Plattform seien bewusst rufschädigende und auch gefälschte Fotos verbreitet worden, um Politiker in ein schlechtes Bild zu rücken. Wenn Twitter sich bereit erklärt, das zu löschen, wird die Zensur ja sofort wieder aufgehoben.

Ich habe geglaubt, einen bekennenden Erdoğan-Wähler gegenüber zu haben. Aber bevor wir unsere Unterhaltung wieder unpolitischen Themen widmeten, schloss er ab, niemals zu auch nur einer einzigen Wahl gegangen zu sein. Die machen ihr Ding, er macht seins. Solange das funktioniert, hat er kein Problem.

 Tourismus

Das in Istanbul irgendwie jeder so sein Ding macht, merkt man spätestens dann, wenn man über den Sultan Ahmet Parkı läuft: eine Heerschar unzähliger kleiner Stände und einzeln agierender Verkäufer von biebergünstigen Bosporus-Boots-Touren (am Hafen werden die gleichen Tickets für die Hälfte verkauft), bei dem der deutsche Beamte vom Ordnungsdienst wohl erstmal in Reha müsste, würde das hier in München auch so laufen.

Paris und Amsterdam in entgegengesetzter Richtung? Von Istanbul aus wohl mehr so ungefähr  - Foto: Daniel Potthast

Wegweiser mit eher grob geschätzter Richtungsangabe

In diesem Viertel sind viele Sehenswürdigkeiten an einem Ort: Sultan Ahmet, der Versunkene Palast, Basare und viele Restaurants und Cafés.

Unglaublich viele Menschen haben es sich zu ihrem Geschäft gemacht, Touristen anzusprechen und ihnen Reiseführer, Eintrittskarten und Co. zu verkaufen. Kann man nervig finden, dem Eindruck der Wohlfühlstadt Istanbul tat dies jedoch keinen Abbruch. Ignorieren und weitergehen ist die einfachste und beste Lösung.

Impressionen

Istanbul lässt sich eigentlich nur mit einem Wort beschreiben: gigantisch. Sowohl von den Abmessungen, als auch vom Verkehrsaufkommen, den Sehenswürdigkeiten und dem Erholungsfaktor. Die Stadt bietet unglaublich viele Facetten und wirkt, als würde es die Balance zwischen Tradition und Moderne sehr gut meistern.

Auch der Kiosk am Eck bietet ein Straßencafé

Zeit für Çay – und SMS

 

Was mir in Istanbul krass aufgefallen ist: in sämtlichen Läden – ganz gleich ob Restaurant, Kiosk, Saftpresser, Tourguide, Bazar oder Handyverkäufer: nahezu ausschließlich Männer. Wir wurden genau ein einziges mal von einer Frau bedient. Zwar wird die Gleichbehandlung in der Türkei weiter vorangetrieben, doch das traditionelle Wesen, dass der Mann für’s Geld verdienen zuständig ist, scheint dort noch weit verbreitet.

Gelebte Teekultur: immer und überall den türkischen Schwarztee - Foto: Daniel Potthast

Mindestens fünf mal am Tag: Çay

Jeder von ihnen sprach ausreichend gutes oder sehr gutes Englisch, alle waren sehr offen, freundlich und zuvorkommend.

Stark auf den boomenden Tourismus eingestellt, wird diese Stadt in der Zukunft ein noch stärkerer Besuchermagnet werden.

Istanbul weiß, wie man Touristen anlockt und dafür sorgt, dass sie wieder kommen. Ich bin gespannt auf den nächsten Besuch in dem Land.

 

 

Mehr Fotos von dieser unglaublichen Stadt bei Daniel Potthast >>

  • Kommentare deaktiviert für Teekultur und Wohlfühlstadt
  • Veröffentlicht in: Urlaub