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Tesla Model 3 als Firmenwagen

Vorweg: dieser Beitrag ist für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gedacht, welche sich überlegen, ein (reines) Elektroauto als Firmenwagen zuzulegen.


Aktualisierungen

  • 7. März: Kostensenkung bei Tesla und Erhöhung des pauschalen Auslagenersatzes auf 70,- Euro
  • 20. März: Ergänzende Klärung nachträglicher Kauf von EAP oder FSD(=> möglich)
  • 22. März: gültiger Zeitpunkt zur Berechnung des BLP (es gilt Tag der Erstzulassung)
  • 1. Mai: Aufschlüsselung Kosten Arbeitgeber
  • 7. Mai: kleinere Korrekturen und bessere Erklärung Berechnung Umsatzsteuer für Arbeitgeber
  • 9. Mai: Korrektur Bemessungsgrundlage: abrunden auf volle 100,- Euro
  • 14. Juni: Sprungmarken für Direktverlinkungen (der Beitrag ist inzwischen doch ein wenig lang geworden)

 

Den Schritt hin zum reinen Elektroauto konnte ich – dank meines Arbeitgebers – im August 2020 vollziehen und bin seitdem extrem froh und glücklich über die Entscheidung, „umgestiegen“ zu sein.

Während der Recherche-Phase im Juni und Juli 2020 habe ich mich mit diversen Regeln, Gesetzen und Abläufen befasst, da dies nicht nur mein erster Firmenwagen wurde, sondern auch der erste im Unternehmen.
Wenn der folgende Beitrag hilfreich ist und ein Tesla als Firmenwagen auch für Dich in Betracht kommt, freue ich mich über die Verwendung des Weiterempfehlungs-Programms von Tesla: https://ts.la/sebastian36243 (das gibt 1.500 Gratis-Kilometer am Supercharger Laden – mehr Details am Ende des Beitrags)

Die Vorteile eines reinen E-Autos als Firmenwagen

  • 0,25% Versteuerung geldwerter Vorteil (statt 1% wie bei Verbrennern) bei E-Autos bis 60.000 Brutto-Listenpreis für den Arbeitnehmer
  • 6.000 Euro Förderung von der BAFA – nicht nur bei Kauf sondern auch bei Leasing-Verträgen, sofern das Basismodell unter 40.000 Euro netto kostet
  • monatlich bis zu 50 70 Euro pauschaler Auslagenersatz (bspw. statt Tank- bzw. Ladekarte) vom Arbeitgeber (steuerfrei, Erhöhung von 50 Euro 2020 auf 70 Euro 2021)

Die Idee stand im Raum, nun ging es an’s Eingemachte: wie viel Auto geht, um den Rahmen optimal nutzen zu können? Tesla macht es einen hier leider nicht all zu leicht (vor allem Mitte 2020), aber es hat sich beim Model 3 folgendes heraus kristallisiert:

  • Volle Förderung durch die BAFA mit 6.000 Euro, da das Tesla Model 3 Standard Range Plus (SR+) 36.605,04 € Euro netto kostet (Stand 7. März 2021). Wichtig: die 39.990 Euro brutto, welche Tesla auf der Website im Konfigurator ausgibt, beinhaltet die herstellerseitige Förderung in Höhe von 3.000 Euro netto!
    Die BAFA listet das Model 3 nur noch als „Model 3 2021“ – die Varianten Long Range (größerer Akku und Allrad) oder Perfomance (größerer Akku, Allrad und stärkere E-Motoren) gelten als Zusatzausstattung, welche sich nicht auf die Förderfähigkeit auswirken. In der Liste der BAFA ist das Model 3 noch mit 39.982,76 Euro angegeben – die Differenz erklärt sich aus dem angepassten Netto-Preis, weil Tesla die Erhöhung auf 19% MwSt. nicht an den Kunden weitergegeben hat sowie der zusätzlichen Preisreduzierung im Januar. Grundsätzlich gilt: günstiger geht immer und ist kein Problem für die BAFA-Förderung
  • 0,25% bis 60.000 Brutto-Listenpreis (BLP): hier wird es jetzt komplizierter: während für die 6.000 Euro Förderung durch die BAFA der Nettopreis des Basismodells als Grundlage herangezogen werden, gilt für die Versteuerung des geldwerten Vorteils der Brutto-Listenpreis des Autos inklusive Sonderausstattung (Long Range, Anhängerkupplung, EAP, teurere Felgen usw.) zum Zeitpunkt der Erstzulassung, jedoch ohne Zusatzkosten wie Winterreifen, Überführungskosten und Bearbeitungsgebühren.
    Extras wie beispielsweise der „Enhanced Autopilot“ (EAP für derzeit 3.800,- Euro brutto) oder gar das „Volle Potenzial für autonomes Fahren“ (kurz FSD für „Full-Self-Driving“) für derzeit 7.500,- Euro brutto zählen dann nicht zum BLP, wenn das Upgrade explizit nach Kauf-/Leasingabschluss erfolgte (im Idealfall also erst nach der Zulassung). Wird es hingegen gleich bei der Bestellung des Fahrzeugs mit geordert (=> eine Rechnung), zählt es zum BLP. Hier muss man abwägen, was sinnvoller ist, da nachträglich erworbene Upgrades an das Fahrzeug gebunden sind und mit Leasing-Ende auch wieder mit zurück gegeben werden. Das Fahrzeug wird nachträglich also aufgewertet: ob das aber bei Rückgabe auch finanziell honoriert wird, darf bezweifelt werden.
    Wichtig für die korrekte BLP-Berechnung ist aber der Abzug des Umwelt- bzw. Innovationsbonus. Tesla selbst gibt in seinem Konfigurator dazu erst mal keine Informationen und auch die Rechnung später muss nochmal abgeändert werden, bis der tatsächliche BLP feststeht. Daher im Folgenden eine Beispielrechnung.

Brutto-Listenpreis aufgepasst

Nochmal die oben erwähnten Punkte bzgl. Sonderausstattung, nachträglicher Upgrade sowie Zeitpunkt der BLP-Berechnung zusammengefasst:

  • wird das Auto im Konfigurator mit EAP bestellt, zählt dieses zum BLP
  • wird der EAP nachträglich (im besten Falle nach Zulassung) als Upgrade über die Tesla-App gekauft, zählt es nicht zum BLP
  • ausschlaggebend für den BLP ist laut Gesetz der inländische (= deutsche) Bruttolistenpreis zum Zeitpunkt der Erstzulassung: verändert Tesla also ungünstig die Preise (bspw. teurere Farbe), könnte es nachträglich zu einem Problem mit den 0,25% werden, wenn knapp kalkuliert wurde (bspw. ein Model 3 Performance mit aufpreispflichtiger Lackierung). Dieses Risiko dürfte aber extrem gering sein – erfahrungsgemäß dreht Tesla eher immer zu Gunsten der Kunden am Preis.

Durchhalten, bald ist es geschafft!

Das Model 3 ist auf der Website schnell konfiguriert und durch die letzte Preissenkung gibt es sogar die Performance-Variante für unter 60.000 Euro. Beispiel Model 3 Performance in rot:

Nun könnten wir meinen: inkl. Steuern, unter 60.000, passt. Dem ist aber nicht so, denn der angezeigte Kaufpreis hat nichts mit dem Brutto-Listenpreis gemein. Denn die Rechnung geht so:

Tesla Model 3 Perfomance in rot Netto Brutto (19%)
Model 3 2021 (inkl. Hersteller-Umweltbonus) 33.605,04 € 39.990 €
Hersteller-seitiger Bonus (verpflichtend für 6.000 Euro BAFA) 3.000,00 € 3.570 €
Model 3 2021 (ohne Hersteller-Umweltbonus) 36.605,04 € 43.560 €
Zusatzausstattung Performance 12.605,04 € 15.000 €
Lackierung 1.764,71 € 2.100 €
Bruttolistenpreis (BLP) 50.975 € 60.660 €

Hier zeigt sich: obwohl im Tesla-Konfigurator 58.070,- Euro angegeben werden, liegt der BLP über den wichtigen 60.000,- Euro: zwar dürfen die Bearbeitungsgebühren in Höhe von 980,- Euro abgezogen werden (genauso wie die Kosten für Winterreifen), der Umweltbonus des Herstellers (also was Tesla auf dem Papier an Rabatt gewährt) muss aber ebenfalls raus. Also minus -3.570,- Euro, das bedeutet 3.570,- Euro oben drauf. Und somit sind es trotz 57.070,- Euro Kaufpreis plötzlich 60.660,- Euro Bruttolistenpreis.

In dieser Konstellation würde der Firmenwagen zwar 6.000,- Euro einmalige Förderprämie von der BAFA erhalten, müsste aber (wegen 660 Euro!) mit 0,5% statt mit 0,25% geldwerten Vorteil versteuert werden.

Auswirkungen der 0,25%-Versteuerung

Wie wirkt sich nun eine 0,25% gegenüber eine 0,5% oder gar 1% Versteuerung aus? Angenommen ein Arbeitnehmer verdient 54.000,- Euro brutto im Jahr, also 4.500 Euro monatlich. Das ergibt regulär ohne Kirche und mit 1,3% Krankenversicherung 2.723,82 Euro netto auf sein Konto (2021).

Mit dem oben zusammengestellten Firmenwagen gelten 50%, also 30.330 Euro Bemessungsgrundlage und es wandern (bei 15km Entfernung zum Wohnort) nur noch 2.570,79 Euro monatlich auf das Konto: 217,18 Euro weniger.

Ändern wir in dem obigen Beispiel die Farbe (rot ist die teuerste Variante) und nehmen schwarz, beträgt der Brutto-Listenpreis des Fahrzeugs nur noch 59.610,- Euro und liegt damit unter den 60.000,-.
Bei selbem Brutto-Gehalt gibt das aber nun 2.679,02 Euro monatlichem Geldeingang und somit nur mehr 108,94 Euro weniger als ohne Auto.

0,5% statt 0,25% bedeuten also in diesem Beispiel allein in einem Jahr mehr als 1.300,- Euro weniger auf’s Konto – nur wegen der höheren Versteuerung des geldwerten Vorteils. Die 660,- Euro „zu viel“ (über 60.000,- Euro BLP) schlagen da also richtig fies zu.

Nicht berücksichtigt in diesem Beispiel: wie der Arbeitgeber den Arbeitnehmer an den Kosten beteiligt – oder umgekehrt, noch die erwähnten 70 Euro pauschalen Auslagenersatz oben drauf gibt. Bei letzterem (wir haben schließlich nette Arbeitgeber!) bekommt der Arbeitnehmer 2.749,02 auf sein Konto und muss damit monatlich gerade mal auf 38,94 Euro vom Netto-Gehalt ohne Firmenwagen verzichten.

Wie wirkt sich eine Konfiguration im Vergleich aus? Beispielrechnung mit einem BLP von 59.770,- Euro:

Posten 0,25% (BEV) 0,5% (PHEV) 1% (ICE)
Bruttolistenpreis 59.770 € 59.770 € 59.770 €
Bemessungsgrundlage (abgerundet!) 14.900,00 € 29.800,00 € 59.700,00 €
Geldwerter Vorteil Privatnutzung 149,00 € 298,00 € 597,00 €
Geldwerter Vorteil Fahrten 0,03% 67,05 € 134,10 € 268,65 €
Geldwerter Vorteil gesamt 216,67 € 433,33 € 865,65 €
Umsatzsteuer auf geldwerten Vorteil 1% (AG) 138,32 € 138,32 € 138,32 €
Gehalt 4.500 Brutto 2.678,72 € 2.573,72 € 2.372,90 €
2.787,96 € (ohne Firmenwagen) – 109,24 € – 214,24 € – 415,07 €

(Umsatzsteuer muss der Arbeitgeber abführen – hier werden keine 0,25% sondern immer die 1% herangezogen, siehe weiter unten). Zur Erklärung:

  • BEV = Battery Electric Vehicle; reines Elektro-Auto ohne Verbrennungsmotor; 0,25% bis 60.000 BLP, darüber 0,5%
  • PHEV = Plugin-Hybrid Electric Vehicle; Plugin-Hybrid aus Elektro mit Verbrenner (Benzin oder Diesel), 0,5%
  • ICE = Internal Combustion Engine; reiner Verbrenner, 1%

109 Euro für das Elektroauto mit BLP unter 60.000 Euro gegenüber 415 Euro bei einem Verbrenner, also über 300 Euro jeden Monat mehr in der Tasche bei gleichem BLP: das ist für einen Arbeitnehmer schon eine klare Ansage und dafür lässt sich selbst bei Ionity viel für Laden…

Inzwischen haben auch die Online-Firmenwagenrechner die neuen Regelungen mit 0,25% bei BLP bis 60.000 Euro berücksichtigt (das war im Juli 2020 noch anders).

Kosten für den Arbeitgeber

Mit einem reinen BEV als Firmenwagen unter 60.000 Euro Bruttolistenpreis kommt der Arbeitnehmer also gut weg. Aber wie verhält es sich nun mit den tatsächlichen Kosten für den Arbeitgeber? Hier die wichtigsten Eckpunkte:

  • Beim Geschäftsleasing wird bei der Tesla-Website der Netto-Betrag angegeben, es fehlen also noch die 19% Umsatzsteuer
  • Die Mehrwertsteuer für die Leasingrate kann sich eine Firma (bspw. GmbH) aber wieder holen; durch den Vorsteuerabzug ist die MwSt. ein durchlaufender Posten
  • Die Umsatzsteuer für den geldwerten Vorteil muss jedoch mit den vollen 1% gezahlt werden, in dem Rechenbeispiel oben macht das rund 138,- Euro monatlich aus: zur Berechnung muss der gesamte zu versteuernde geldwerte Vorteil mit 19/119 (19% USt. vom Nettobetrag) berechnet werden: 866,67 € * 19/119 = 138,38 €
  • Versicherungssteuer (für Haftpflicht und Vollkasko) ist ebenfalls nicht abzugsfähig: hier muss also mit den Brutto-Preisen der Versicherung kalkuliert werden, damit die Rechnung am Ende aufgeht
  • Service- und Wartung ist bei Tesla bekanntermaßen sehr überschaubar: wer mit einem großzügigen Puffer planen will, sollte rund 100,- Euro monatlich für Wartung und Reparaturen einplanen. Bei einem Vier-Jahres-Leasing sollte aber bspw. ein Satz Sommer- und Winterreifen halten, HU ist auch nur einmal fällig und Wartung gibt es nicht viel: knapper kalkuliert können also auch 50,- Euro im Monat reichen.
Arbeitgeber-Kosten (Beispiel) Betrag
Leasingrate (netto) 500 €
Wartung und Reparatur 100 €
Versicherung (brutto) 80 €
Umsatzsteuer (1% BLP + 0,03% pro km einfache Wegstrecke zum Arbeitsplatz) 140 €
Ladepauschale* (steuerfrei) 70 €
Kfz-Steuer (10 Jahre steuerfrei bei Zulassung bis Ende 2025) 0 €
Gesamtkosten pro Monat: 890 €

Die Ladepauschale (pauschaler Auslagenersatz) entfällt, wenn bspw. eine Ladekarte zur Verfügung gestellt wird oder verringert sich auf 30,- Euro monatlich, wenn der Arbeitgeber eine Lademöglichkeit zur Verfügung stellt. Das Laden dort ist dafür aber steuerfrei!

Es gilt also für jeden Arbeitnehmer abzuwägen: lohnen sich die 70 Euro oder soll es doch lieber ein eigener Zähler vom Arbeitgeber für Zuhause sein? Bei mir persönlich ist es mit dem pauschalen Auslagenersatz wirtschaftlicher, da wir noch keine firmeneigene Lademöglichkeit haben und ich oft Zuhause lade (was in dem Fall auf meine private Stromrechnung geht).

Knapp 900,- Euro monatlich für ein Auto ist natürlich nicht wenig Geld. Im Gegenzug muss man sich aber immer im Hinterkopf halten: es geht um ein 60.000,- Euro Neuwagen, welcher grundsolide ausgestattet ist (von den Fahrleistungen ganz abgesehen). Selbst wenn der Arbeitgeber nicht alles „selbst zahlt“ und bspw. ein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld dafür kürzt oder einige Lohn-Erhöhungen auslässt, geht das zu Lasten des Brutto-Arbeitslohns. Selbst bei einer vollen Anrechnung zahlt der Arbeitnehmer (natürlich abhängig vom gesamten Jahresverdienst) weniger als 500,- Euro monatlich für die gesamte individuelle Mobilität mit einem Tesla Model 3 als Firmenwagen.

Kein Tesla ohne Referral-Code bestellen

Falls ich Dir geholfen habe, ein wenig durch den Steuer- und Förder-Dschungel Deutschlands zu kommen und deshalb jetzt ein Tesla kaufst oder least (egal ob privat oder als Firmenwagen): mittels meinem persönlichen Weiterempfehlungs-Link https://ts.la/sebastian36243 gibt es für die ersten sechs Monate 1.500 Kilometer Supercharger kostenfrei (bzw. sind es 372kWh zum gratis Laden). Das Auto wird dadurch nicht teurer, aber beide Seiten profitieren (für mich als Empfehler gibt es ebenfalls das Supercharger-Guthaben). Eine nette Art, Danke zu sagen (wenn man mal eben paar zehntausend Euro ausgeben will).

Abrechnung Supercharger mit Weiterempfehlung

Aber egal ob mein Link oder ein anderer: ohne Weiterempfehlungs-Link auf tesla.com ein Auto bestellen bedeutet 1.500 Frei-Kilometer für sich selbst zu verschenken. Daher einfach hier lang:

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Seite ist jetzt (fast) Google-frei: Datenschutz Teil I

Noch ist nicht viel los auf diesem Webauftritt – ändert sich bestimmt mal, wenn ich groß bin. Doch bis dahin kommen trotzdem schon paar Besucher – das erfuhr ich bisher immer aus Google Analytics. Ihr wisst schon, dieses schöne Stasi-Modul vom Internet-Riesen. Ich will an dieser Stelle den Laden aber gar nicht verteufeln – was Google macht, ist für ein gewinnorientiertes Unternehmen nur normal und konsequent. Aber mit voller Breitseite muss man dieses Geschäft und diese Politik ja nicht unbedingt unterstützen – schon gar nicht, wenn ich persönlich nicht auf Googles Dienste wie AdWords, die tiefgehende Analytics-Funktionen oder die Google-Webfonts angewiesen bin.

Nun werde ich auch in Zukunft wissen, dass sich ein paar Besucher auf dieser Seite tummeln – Open Web Analytics wird es mir verraten. Der Dienst ist mit Sicherheit nicht so schön wie GA, jedoch bietet er einen großen Vorteil: die erhobenen Informationen werden selbst gehostet und wandern nicht zu Google in die USA. Und mich interessiert hier eigentlich eh nur, ob überhaupt jemand vorbei schaut.

Mut zu mehr Datenschutz

Was war nun der Grund und was wurde gemacht? Vor der Umstellung wurden neben den lokalen Abfragen auf sebastian-eggersberger.de auch weitere durchgeführt: zu Google Analytics, Google Webfonts und zu Youtube. Bei vielen anderen privaten wie kommerziellen Seiten horcht natürlich noch der blaue Riese Facebook mit dem Social Plugin mit; und bei den etablierten Nachrichtenseiten im deutschsprachigen Web wird zwar gerne auf die Internetriesen und ihre Gier nach persönlichen Daten eingedroschen – aber zeitgleich laufen 20 Tracker von den verschiedensten kommerziellen Diensten ohne großen Hinweis mit (natürlich, in den Datenschutzbestimmungen ist es vermutlich aufgeführt – wird auch bestimmt oft aufgerufen): Beispiel Zeit Online, Spiegel Online oder Focus Online (aber auch alle anderen sind hier nicht besser).

Die Abfragen von fonts.gstatic.com, Youtube und Co. auf meiner Seite hatten zur Folge, dass Google hier sämtliche Besucher – sofern diese die Abrufe nicht blockieren (vgl. hierzu Link- und Plugin-Empfehlung am Ende des Beitrags) – theoretisch tracken könnte. Wie sich das auf anderen Seiten für jeden selbst auswirkt, kann man mit dem Firefox-Addon Lightbeam für sich persönlich herausfinden (natürlich vorausgesetzt, er nutzt Firefox). Selbst nach einem kurzen Surfen zeigen sich schnell zwei große Zentren, die mit anderen Diensten verknüpft sind: Google und Facebook.

Screenshot Lightbeam

Das Add-On Lightbeam zeigt die Vernetzungen der verschiedenen Websites und Dienste grafisch auf

 

Google erreicht dies durch die Services Webfont, Google+, Analytics, Youtube und weitere; Facebook schafft das Tracking durch die direkte Einbindung von Like-Buttons und Fanboxen. Wie sich diese Informations-Sammlung auswirkt, kann ein jeder bei Google auch selbst nachschlagen: Einschätzung von Google zu dem Nutzer

Google Webfonts konnte ich dank der Anleitung auf coder-welten.com selbst abändern. Statt also die zwei Fonts Crimson Text und Raleway von Google zu beziehen (und somit Informationen über den Seitenabruf weiterzugeben), laden die Schriftarten nun von dem lokalen Webspace.

Nicht verteufeln, aber informieren

Grundsätzlich gilt es an dieser Stelle festzuhalten: es ist nicht das Böse per se, Werbeanbieter, andere Webdienste und Cloud-Lösungen einzusetzen – nur jede Seite sollte es bewusst und wissentlich tun. Auch eine personalisierte Werbung kann in vielen Fällen angenehmer sein als wenn mir irgendein Mist eingeblendet wird, der mich überhaupt nicht interessiert.
Aber eine solide Aufklärung darüber, was wie wo eingesetzt wird, herrscht nur in den wenigsten Fällen, wobei gerade bei diesem Thema eine Nachvollziehbarkeit über die Erhebung und Verfolgung von Tracking-Daten so wichtig wäre.

Ghostery Info - BeispielDamit wenigstens auf Seite der Otto-Normal-Verbraucher ein wenig direkte Aufklärung herrscht, gibt es das grandiose Tool Ghostery für alle gängigen moderne Browser. Dieses kleine Add-On informiert dezent an der Seite, welche zusätzlichen Tracking-Maßnahmen auf einer Webseite neben den einfachen Cookies laufen – und können auf Knopfdruck auch deaktiviert werden.

Natürlich gibt es aber eine ganze Reihe klick- und lesenswerter Links, die ich hier aufliste und kurz beschreibe:

Add-Ons und Opt-outs für Browser

  • Ghostery – das Datenschutz-Tool hilft, das eigene Surf-Verhalten zu verstehen und die Datenerhebung von Dritten zu kontrollieren
  • Lightbeam – Visualisierung der Vernetzung von Tracking-Tools, nur für den Firefox-Browser
  • Disconnect.me – Open Source und eine Mischung aus Ghostery und Lightbeam
  • Präferenzmanagement – Opt-Outs für personalisierte Online-Werbung
  • Digital Advertising Alliance – Opt-Outs für amerikanische Online-Werbedienste

Lesenswertes zu dem Thema

So, das war es jetzt auch schon fast wieder. Und warum heißt der Beitrag „Seite ist jetzt (fast) Google-frei“? Weil Google Font im WordPress-Backend noch aktiv ist. Betrifft also nur mich, die Seite ist aber halt trotzdem noch mit einer dünnen Nabelschnur mit Google verbunden. Lesenswerter Beitrag (und damit die letzte Empfehlung in dem Artikel) auf xwolf.de. Werde ich auch noch kappen. Einfach weil ich es kann ;)

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Meine Wette mit dem Bild-Reporter

Es gibt viele Gründe, warum ich die BILD-Zeitung nicht mag. Ein weiterer wurde mir heute von einem angeblichen Mitarbeiter dieser „Zeitung“ geliefert (wenngleich ja nicht vom Angestellten auf das Unternehmen geschlossen werden sollte…).

Ich arbeite seit geraumer Zeit nebenher bei einer GmbH in München, welche sich mit Parken befasst. Netter Verein, sehr gute Bezahlung und eine schöne Möglichkeit, interessante Menschen kennen zu lernen. Eine Aufgabe besteht unter anderem darin, beim Parkplatz für eine Sportveranstaltung die Parktickets der einfahrenden Besucher zu kontrollieren (Tages- und Saison-Karten) und – sofern keine vorhanden – 5 Euro zu kassieren.

So auch bei dem ankommenden Fahrzeug. Dieser hatte zwar ein Saison-Parkticket, aber leider nur vom letzten Jahr. Andere würden gleich von versuchtem Betrug sprechen, ich glaube aber fest daran, dass von einem gültigen Parkschein ausgegangen wurde. Ich wies die Fahrzeuginsassen daraufhin und stellte die Option frei, entweder 5 Euro zu bezahlen und zu parken oder den Parkplatz wieder zu verlassen. Sie entschieden sich für Variante drei: im Weg stehen zu bleiben. Der Beifahrer tigerte sogleich zur paar Minuten entfernte Sportstätte, um die aktuell gültige Karte zu holen. Halt alles ein bisschen schwierig, wenn derweil das Auto im Weg steht und ständig neue Autos zum Parken einfahren.

Nach gerade mal einer viertel Stunde war er dann auch gleich wieder da und präsentierte mir die neue Jahreskarte. Eigentlich alles einwandfrei und Thema gegessen. Nicht so für den Beifahrer. Dieser kam nach dem Parken noch einmal zu mir und wollte sich mit mir weiter unterhalten. Leider war ich aber noch beschäftigt, die in einer schönen gleichmäßigen Kolonne alle paar Sekunden vorfahrenden Autos zu kontrollieren, einzuweisen und gegebenenfalls fünf Euro zu verlangen – und hatte daher unglücklicherweise keine Zeit für einen kleinen Plausch am Abend.

Dies missfiel leider dem werten Herren jedoch heftig und zeigte dies deutlich durch Formulierungen wie „Hallo, ich rede mit Ihnen“. Auch mein Hinweis, dass ich jetzt arbeiten müsse und einfach keine Zeit für ein intensives Gespräch habe, konnte ihn nicht milde stimmen. Im Gegenteil: der Parkausweis-Profi wurde pampig, wollte (wieder mal) meinen Namen. Da dieser ja kein Geheimnis ist, sondern vorne auf meinen Ausweis steht und recht lange ist, habe ich ihm einen Stift zum Schreiben angeboten. Nicht, dass er ihn zum zweiten Mal vergessen würde – denn dann bin ich ja nicht mehr da zum Nachfragen. Aber wie das mit der modernen Welt halt so ist, zückte er sein Smartphone und fotografierte gleich meinen gesamten Ausweis samt Bild und vollen Namen.

Eine gute Ausgangsbasis für die Wette. Denn zu der kam es jetzt (wichtig: (kein 100% exakter Wortlaut – Gedächtnisprotokoll): Nach dem Fotografieren des Ausweises schallte mir ein unfreundliches „Ja dann werden wir mal sehen. Sie werden hier noch einmal arbeiten und dann war es das!“ entgegen. Auf ein „Das glaube ich nicht“ meinerseits entgegnete mir: „Wollen wir wetten?“ Da ich meinen Arbeitgeber und solche Situationen ja sehr gut kenne, erwiderte ich mit einem erfreuten „Ja gerne!“

Der Wetteinsatz steht leider noch nicht fest, da er früh gehen musste und nicht die Zeit hatte, auf mich zu warten.

Lieber Bild-Reporter: bitte melden Sie sich bei mir! Mein Wetteinsatz, sofern Sie damit einverstanden sind: ein Jahresabo der Süddeutschen Zeitung Digital Paket.

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